Lehrveranstaltungen Universität Koblenz

    

Für alle Studierenden gilt: Die Betreuung findet per eMail statt. Sprechstunden nur in Ausnahmefällen (Terminvereinbarung erforderlich). Für persönliche Betreuung stehe ich unmittelbar nach den Seminaren zur Verfügung.

 

Seminararbeiten bitte als PDF einreichen!



Sommersemester 2017


"Fotografie in der Kunst der Gegenwart"

Di 18:00 Uhr c.t., Geb. E, Raum 312

 

 

Infotext: 

 

„Die Fotografie wurde als Kunst anerkannt, auf eine unprogrammatische, geradezu selbstverständliche Weise, die es machte, dass nicht die Antwort, sondern die Frage: Ist Fotografie Kunst? ‚keinen Pfifferling‘ mehr wert war.“ (Wolfgang Kemp)

Die im 19. Jahrhundert noch allerorts diskutierte Frage, ob die Fotografie eine künstlerische Ausdrucksform sei, erfährt ihre endgültige Obsoleszenz spätestens in dem Augenblick, als die Fotografie ihre Vorrangstellung unter den Informationsmedien an das Fernsehen verliert. Seither geht es nicht darum, ob, sondern wie die Fotografie innerhalb des Systems der Kunst genutzt werden kann und welche Wechselwirkungen sich mit den traditionellen Gattungen wie der Malerei, Bildhauerei oder Zeichnung, aber auch mit neuen Kunstrichtungen wie der Konzeptkunst ergeben. Ebenso erhalten lange gepflegte Genres wie das Portrait oder der Akt gattungsübergreifend neue Impulse durch die neue Selbstverständlichkeit der Kunstwürdigkeit der Fotografie, wovon etwa die fotorealistischen Malereien von Chuck Close ebenso beredtes Zeugnis ablegen wie die überdimensionalen fotografischen Portraits von Thomas Ruff.

Anhand ausgewählter Fotografen aus dem Bereich der Portrait- und Aktfotografie und unterstützt durch diverse Textauszüge zur Fotografietheorie wird in diesem Seminar ein Überblick über die Fotografie in der Kunst der Gegenwart gegeben.

 

Literatur:

 

  • Wolfgang Kemp, Geschichte der Fotografie, München 2011

  • Liz Wells, Photography, A Critical Introduction, New York 2009
  • Charlotte Cotton, Fotografie als zeitgenössische Kunst, Berlin 2011
  • Juliet Hacking, Fotografie, Die ganze Geschichte, Köln 2012
  • Wolfgang Kemp, Hubertus v. Amelunxen, Theorie der Fotografie, Bd. 1-4, München 2006

 

 


Wintersemester 2016/2017


"Das dubitative Bild? - Fotografisches Bild und Bild der Fotografie im digitalen Zeitalter"

Di 18:00 Uhr c.t., Geb. E, Raum 523

 

 

Infotext: 

 

„Im Reich des Digitalen sind alle Bilder der visuellen Alchemie des Zeichenprogramms unterworfen, das dem Benutzer eine Reihe von Werkzeugen anbietet, mit denen er jede Eigenschaft eines Pixels zu modifizieren vermag. Diese Verbindung der elektronischen Bildwelt mit den digitalen Zeichenprogrammen steht im Zentrum der Unterordnung des Fotos unter die Grafik. Wenn alle Bilder vom Computer erzeugt oder modifiziert werden, ist das Fotografische kein privilegierter Bereich der visuellen Kommunikation mehr, der durch seine apparativ erzeugten Qualitäten unterschieden wird." (Peter Lunenfeld)


Seit der Erfindung der Fotografie wurde diese von vielen als ein Mittel zur objektiven Konservierung einer Gegebenheit betrachtet. Bereits Talbot, der Pionier auf dem Gebiet des Negativverfahrens, beschreibt sie als „stumme Zeugenaussage“, die später als Beweis für die Existenz von etwas herangezogen werden kann, und selbst die modernen Fotografietheorien wie die von Barthes oder Sontag halten, wenn auch kritischer, an dem Verweischarakter der fotografischen Abbildung fest: „Eine Art Nabelschnur verbindet den Körper des photographierten Gegenstandes mit meinem Blick.“ (Roland Barthes)

Die digitale Fotografie, so die Meinung vieler Theoretiker der späten 80er- und frühen 90er-Jahre, ändere die Regeln dieses Spiels. Die Fotografie verliere ihren referenziellen Verweischarakter und sei fortan, schon durch die bloße Möglichkeit der beliebigen Manipulation, keine Fotografie im eigentlichen Sinne mehr. Als Modell der Referenz, so etwa Mitchell, stirbt sie durch den digitalen Prozess. Heute, beinahe 20 Jahre danach, ist die digitale Fotografie längst zur Regel geworden und stellt so manche apokalyptische Prophezeiung der frühen digitalen Fototheorien auf den Prüfstand.

Das Begriffpaar Analog/Digital verursacht in der Fotografie jedoch noch immer Fragen nach Opposition oder Kontinuum des Wechsels sowie der allgemeinen Beschaffenheit des neuen Mediums, das sich, wie auch die analoge Fotografie, einer einheitlichen Ontologie zu verweigern scheint.

In diesem Seminar werden anhand diverser Textauszüge verschiedener Theoretiker zentrale Aspekte der digitalen Fotografie, des digitalen Bildes und seines medialen Umfeldes behandelt.

 

Literatur:

 

  • Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Fotografie nach der Fotografie, München 1996
  • William J. Mitchell, The Reconfigured Eye, Visual Truth in the Post-Photographic Era, Cambridge 1992
  • Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Fotografie, München 2006
  • Herta Wolf, Paradigma Fotografie, Fotokritik am Ende des fotografischen Zeitalters, Frankfurt a.M. 2002

 

 


Sommersemester 2016


"Die Geschichte der Aktfotografie"

Di 18:00 Uhr c.t., Geb. E, Raum 523

 

 

Infotext:

„Ich betrachte mit Leidenschaft und ohne zu ermüden diese Fotografien nach nackten Menschen, dieses wunderbare Gedicht, den menschlichen Körper, in dem ich zu lesen lerne.“ (Eugène Delacroix über die Fotografien von Eugène Durieu, 1855)

Als Sujet der Kunst trifft der Akt in seiner jahrhundertealten Tradition im 19. Jahrhundert plötzlich auf das neue Medium der Fotografie, das einerseits durch seine besonderen Merkmale bezüglich der Entstehung, der mimetischen Abbildungsleistung und perspektivischen Treue und andererseits durch die Möglichkeit der Inszenierung, Retusche und Montage die Sicht auf das Sujet verändert. Dies betrifft sowohl die Fotografie als Hilfsmittel der Malerei oder Plastik als auch die Fotografie als Kunst selbst, wie sie sich, im 19. Jahrhunderts zunächst strittig, im Laufe der Zeit in verschiedenen Ansätzen wie dem Piktorialismus, der Neuen Sachlichkeit oder dem Surrealismus widerspiegelt. 

Die im Zuge des 20. Jahrhunderts eintretende Lösung der Fotografie von den Fesseln traditionsbehafteter Kunstvorstellungen und ihrer Ansprüche führt zu einer zunehmenden Eigenständigkeit und Eigenwertigkeit der Ansätze der Aktfotografie, die von einem neu entdeckten, bewusst unverklärten Voyeurismus über die Potentiale der inszenierten Fotografie als Bruch mit dem Auratischen bis hin zur Sozial-, Medien- und Wahrnehmungskritik durch digitale Manipulationen reichen.

 

  

Ziele:

Anhand ausgewählter Fotografen und unterstützt durch diverse Textauszüge zur Fotografietheorie wird in diesem Seminar ein Überblick über die Geschichte der Aktfotografie gegeben.

 

 

Literatur (Auszug):

  • Wolfgang Kemp, Geschichte der Fotografie, München 2011
  • Liz Wells, Photography, A Critical Introduction, New York 2009
  • Charlotte Cotton, Fotografie als zeitgenössische Kunst, Berlin 2011
  • Juliet Hacking, Fotografie, Die ganze Geschichte, Köln 2012
  • Wolfgang Kemp, Hubertus v. Amelunxen, Theorie der Fotografie, Bd. 1-4, München 2006

  


Wintersemester 2015/2016


"Fotografie und Wahrheit"

Di 18:00 Uhr c.t., Geb. E, Raum 523

 

 

Infotext:

„Eine Fotografie gilt als unwiderleglicher Beweis dafür, dass ein bestimmtes Ereignis sich tatsächlich so abgespielt hat. Das Bild mag verzerren; immer aber besteht Grund zur Annahme, dass etwas existiert - oder existiert hat -, das dem gleicht, was auf dem Bild zu sehen ist.“ (Susan Sontag)

Schon William Henry Fox Talbot, der Erfinder des Negativverfahrens, beschreibt die noch jungen Fotografie 1844 als eine neue Form des Beweises, als eine Art „stumme Zeugenaussage“, die im Streitfall die Wahrheit über einen Sachverhalt zutage fördern kann. Gründe dafür finden sich im mimetischen Potential der Fotografie mit ihrer bis dahin kaum erreichten Abbildungsgenauigkeit ebenso wie in der scheinbar naturnotwendig „indexikalischen“ Verbindung (Peirce) von fotografiertem Objekt und fotografischer Abbildung, welche der Fotografie als Zuweisung unter Begriffen wie dem „Abdruck“ oder der „Spur“ bis in die Gegenwart anhaftet. Dies erklärt zugleich auch den Schock, den die digitalen Manipulationsmöglichkeiten in der Fotografietheorie der späten 80er- und frühen 90er-Jahre auslösen, wenn etwa William Mitchell leicht theatralisch vom „Tod der Fotografie“ spricht. 

Diese Schlussfolgerung scheint jedoch befremdlich oder gar unzutreffend, wenn die Fotografie nicht nur als eine Ikone der Glaubwürdigkeit betrachtet wird, sondern in all ihren sozialen Gebrauchsweisen, zu denen natürlich auch inszenierende und manipulierende Verfahren zählen, die sich nicht erst im „digitalen Zeitalter“ entwickelt haben, sondern sich, etwa am Beispiel der Negativ-Collagen Oscar Rejlanders, bis in die frühe Entstehungszeit des Mediums zurückverfolgen lassen.

Die Geschichte der Fotografie kann so gelesen werden als ein Kampf um die Verortung eines Mediums und seiner Nutzung im Spannungsfeld zwischen naturnotwendiger Abbildung und beliebiger Erzeugung. Wie aktuell jener Diskurs noch immer ist, verrät jeder Blick in eine Zeitung; „Wir glauben nicht länger an die Objektivität der Fotografie, wohl aber daran, dass Fotografien in spezifischer Weise unsere Wirklichkeit sind.“ (Bernd Stiegler)

 

  

Ziele:

In diesem Seminar werden anhand diverser Textauszüge verschiedener Theoretiker und mithilfe von repräsentativen Fotografien zentrale Aspekte der fotografischen Epistemologie  und Ästhetik behandelt; darunter insbesondere die Frage nach dem Wahrheitsgehalt und dem Wahrheitsanspruch der fotografischen Abbildung.

 

 

Literatur (Auszug):

  • Wolfgang Kemp, Hubertus v. Amelunxen, Theorie der Fotografie, Bd. 1-4, München 2006
  • Susan Sontag, Über Fotografie, Frankfurt a.M. 1980
  • Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Fotografie, München 2006
  • Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Fotografie nach der Fotografie, München 1996

  


Sommersemester 2015


"Bildermenschen / Menschenbilder - Dokumentarische und künstlerische Annäherungen an die Bestimmung des eigenen Wesens"

Di 18:00 Uhr c.t., Geb. E, Raum 523

 

 

Infotext:

„Die Prädestination der Fotografie zur wissenschaftlichen Bestandsaufnahme muss letztlich vor dem Bild des Menschen versagen; der Mensch ist kein Präparat, eben weil er mehr ist als Biologie und Anatomie. Doch die großen Fotografen lassen uns gelegentlich auch jene Seite des eigentlich Menschlichen sehen: Ein Wesen, das Anmut und Würde besitzt, kurzum, ein zauberhaftes Geschöpf. Erst, wenn man dieses Bild mit einbezieht, kommt Fotografie der Wahrheit über den Menschen nahe.“ (Fritz Kempe)

Bereits nach den ersten fotografischen Experimenten wurde der Mensch, zunächst bedingt durch die langen Belichtungszeiten in fixierter oder ruhender Position, dann aber in allen Lebensbereichen zu einer Konstante innerhalb der fotografischen Motive sowohl der professionellen Fotografie als auch der Amateurfotografie, was sich spätestens in Werken wie August Sanders „Menschen des 20. Jahrhunderts“ deutlich zeigt. In den fotografischen Bildern findet der Mensch jedoch, gewollt oder nicht, stets mehr als nur ein Abbild seiner selbst. Sie sind Projekte: Entwürfe des Menschen und damit seiner Welt, die sich innerhalb verschiedenster Kontexte und vor dem Hintergrund unterschiedlichster Intentionen mit den Mitteln dokumentarischen und künstlerischen Ausdrucks realisieren: 

in der klassischen Reportagefotografie von Erich Salomon oder Cartier-Bresson, in der Kriegsberichterstattung von Mathew Brady und Roger Fenton über Robert Capa bis zu James Nachtwey, in der Selbstdarstellung und -inszenierung, wie sie bei Sophie Calle, Nan Goldin, Martin Parr oder Cindy Sherman zu finden ist, in der konzeptuellen und inszenierenden Fotografie von Jeff Wall oder Thomas Ruff, in der Modefotografie von Richard Avedon bis Terry Richardson sowie in der Portrait- und Aktfotografie von Imogen Cunningham bis Helmut Newton und Nobuyoshi Araki, um nur einige Wirkungsbereiche und Fotografen exemplarisch zu nennen.

Dabei weisen die verschiedenen sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie stets sowohl innerhalb ihrer Nutzung im Laufe der Zeit als auch in Verbindung zu anderen Anwendungsbereichen mehrere Spannungsfelder auf, die trotz der Verschiedenartigkeit der Ansätze, Mittel und Ergebnisse immer präsent und in ihrer Grenzziehung bis heute kontrovers bleiben: das zwischen dokumentarischen und künstlerischen Mitteln, zwischen Abbild und Wunschbild sowie zwischen der Bestimmung des Menschen als Fremd- und Selbstdarstellung.


  

Ziele:

Anhand ausgewählter Fotografen und Fotokünstler wird in diesem Seminar unter Zuhilfenahme verschiedener Theorien der Fotografie ein Überblick über die Anwendungsfelder und Probleme einer Fotografie als Mittel der Bestimmung des Menschen gegeben, was die klassischen Bereiche der Portrait-, Mode- und Aktfotografie ebenso einschließt wie konzeptionelle Fotografie, Selbstinszenierung und Reportage.

 

 

Literatur (Auszug):

  • Wolfgang Kemp, Hubertus v. Amelunxen, Theorie der Fotografie, Bd. 1-4, München 2006
  • Liz Wells, Photography, A critical Introduction, New York 2009
  • Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Fotografie, München 2006
  • Hans-Michael Koetzle, Das Lexikon der Fotografen, 1900 bis heute, München 2002

  


Wintersemester 2014/2015


"Fotografie als Thema des zeitgenössischen Spielfilms im Spiegel der Fotografietheorie"

Di 18:00 Uhr c.t., Geb. E, Raum 523

 

 

Infotext:

„Fotografien sind die vielleicht geheimnisvollsten all der Objekte, welche die Umwelt, die wir als ‚modern‘ begreifen, ausmachen und gestalten.“ (Susan Sontag)


Die vielfältigen Theorien der Fotografie und die ihnen von Beginn an innewohnende Metaphorik des fotografischen Prozesses (z.B. Talbots „Zeichenstift der Natur“) wurden nicht nur in anderen wissenschaftlichen Bereichen wie der Medien- und Kunsttheorie aufgegriffen, sondern im Laufe des 20. Jahrhunderts zunehmend auch im aufstrebenden Medium des Spielfilms.

So spiegeln sich schon in Dziga Vertovs „Der Mann mit der Kamera“ von 1929 oder Alfred Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ von 1954 die im journalistischen Alltag elementaren Gegensätze des Fotografierens als Akt der Einmischung bzw. Nicht-Einmischung. Filme der 60er-Jahre wie Michael Powells „Peeping Tom“ oder Michelangelo Antonionis „Blow Up“ thematisieren hingegen den fotografischen Prozess als Abgrund zwischen Voyeurismus und Grausamkeit sowie als freudsche Sublimierung von Liebes- und Todestrieb. Auch aktuelle Themen wie die sozialen Gebrauchsweisen der Fotografie, von der Konservierung privater Ereignisse (Mark Romaneks „One Hour Photo“) über das allein auf der innerreferenziellen fotografischen Bilderwelt beruhende Gedächtnis als Mittel der Weltkonstruktion (Christopher Nolans „Memento“) bis hin zum postulierten Tod der Fotografie durch die digitale Technik und zunehmende Manipulation in der Postproduktion (Wim Wenders „Palermo Shooting“), werden innerhalb des Films adaptiert.

Die Filme greifen dabei nicht nur wesentliche Aspekte und Fragen innerhalb der Fotografietheorie von William Henry Fox Talbot bis William Mitchell auf, sondern werden, etwa in den Schriften von Susan Sontag, Peter Lunenfeld oder Bernd Stiegler, selbst wieder Teil des fotografietheoretischen Diskurses und damit Gegenstand einer Reflexion zweiten Grades.

  

Ziele:

In diesem Seminar werden anhand diverser Textauszüge verschiedener Theoretiker und mithilfe von Filmausschnitten zentrale Aspekte der Fotografietheorie, der Adaption innerhalb des Spielfilms und der Rückbindung filmischer Motive innerhalb des fotografietheoretischen Diskurses behandelt.

 

 

Literatur (Auszug):

  • Wolfgang Kemp, Hubertus v. Amelunxen, Theorie der Fotografie, Bd. 1-4, München 2006

  • Susan Sontag, Über Fotografie, Frankfurt am Main 1980
  • Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Fotografie, München 2006

  • Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Fotografie nach der Fotografie, München 1996

 

 


Sommersemester 2014


"Das fotografische Bild im Zeitalter seiner Digitalisierbarkeit"

Mo 18:00 Uhr c.t., Geb. E, Raum 312

 

 

Infotext:

„Die Photographie, so könnte man zusammenfassend sagen, ist dasjenige Medium, das die fundamentale Ambivalenz der Gegenwart vielleicht am deutlichsten faßt: Auf der einen Seite haben die technischen Medien zu einer massiven bildlichen Aneignung von Wirklichkeit geführt […]. In der Photographie versichert sich der Betrachter fortwährend der Welt und auch der Art und Weise, sie zu betrachten, auszuwählen, aufzunehmen und aufzuzeichnen. Auf der anderen Seite haben die technischen Medien nun gerade das, was sie auszeichnete, im digitalen Zeitalter suspendiert. Sie haben die analoge Nabelschnur, die sie mit der äußeren Wirklichkeit verbunden hatte, durchschnitten und damit eine Selbständigkeit erlangt, deren Legitimationsprobleme nur dadurch zu lösen sind, indem jeder Wirklichkeitsbezug als Konstruktion aufgezeigt wird.“ (Bernd Stiegler)

Die Fotografie hat sich seit den Tagen ihrer Erfindung stets einer theoretischen Fixierung widersetzt. Während Talbot, der Pionier des Negativverfahrens, diese als „stumme Zeugenaussage“ beschreibt, mithilfe derer man sich einer Gegebenheit versichern kann, demonstriert Rejlander bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit seinen Kompositionsfotografien, dass die Fotografie weit mehr als nur ein Mittel der perspektivischen Einschreibung einer äußeren Realität ist. Diese Nutzungsweisen, die einer „straight photography“ und die im Sinne der kreativen Ausweitung der gestalterischen Möglichkeiten, haben stets nebeneinander existiert und sich in Bereichen wie der inszenierten Dokumentation überschnitten. Dennoch hat sich ein breiter Commonsense gehalten, demzufolge - in den Worten Kracauers - die realistische Tendenz dem Wesen der Fotografie stärker entspricht als die formgebende.

Ansätze, dieses Dogma aufzubrechen, finden sich beispielsweise in der Theorie der Postvisualisierung von Jerry Uelsmann oder der Generativen Fotografie von Gottfried Jäger, die dem Feld der Nachbearbeitung bzw. den bildgebenden statt abbildenden Möglichkeiten der Fotografie eine zunehmend größere Bedeutung beimessen.

Der Wandel vom analogen (oder chemischen) zum digitalen (oder analogonumerischen) Prozess, wie er sich zum Ende der 80er- bzw. Anfang der 90er-Jahre des 20. Jahrhunderts abzeichnet, stellt die Fotografietheorie trotz der vielfältigen Geschichte und der mannigfaltigen sozialen Gebrauchsweisen des Mediums erneut vor ein grundlegendes Bestimmungsproblem, das in seinem Schwellencharakter und seiner begrifflichen Unschärfe mit der ursprünglichen Bestimmung der Fotografie nach ihrer Erfindung im 19. Jahrhundert zu vergleichen ist. Entsprechend häufig sind daher auch die Verweise auf den Ursprung der Fotografie, der je nach Deutungsperspektive als Bestimmungsgrundlage der digitalen Fotografie oder Abgrenzungskriterium von seinem nunmehr als „analog“ bezeichneten Pendant dient. Die Deutungen jenes neuen Mediums im Vergleich zur traditionellen Fotografie reichen vom „Tod der Fotografie“ (Mitchell) über die Generalskepsis eines „dubitativen Bildes“ (Lunenfeld) bis zu einem positiv aufklärerischen Moment der „Zerstörung der Naivität“ (Rötzer), die mit der Bestimmung der Fotografie bisher einhergegangen ist.

 

Ziele:

In diesem Seminar werden anhand diverser Textauszüge verschiedener Theoretiker zentrale Aspekte der digitalen Fotografie, des digitalen Bildes und seines medialen Umfeldes behandelt.

 

 

Literatur (Auszug):

  • Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Fotografie nach der Fotografie, München 1996
  • William J. Mitchell, The Reconfigured Eye, Visual Truth in the Post-Photographic Era, Cambridge 1992
  • Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Fotografie, München 2006
  • Herta Wolf, Paradigma Fotografie, Fotokritik am Ende des fotografischen Zeitalters, Frankfurt a.M. 2002

 

 


Wintersemester 2013/2014


"Fotografie als Kunst - Fotografie in der Kunst. Über Differenzen, Schnittpunkte und wechselseitige Formung zweier Systeme"

Mo 18:00 Uhr c.t., Geb. E, Raum 412

 

 

Infotext:

„Es gibt in der Bibel eine schöne Stelle: ,Gott sprach: Es werde Licht, und es ward Licht.‘ Jetzt kann man den Türmen von Notre-Dame befehlen: ,Werdet Bild!‘ und die Türme gehorchen.“ (Jules Janin)

Der Prozess der fotografischen Aufzeichnung übt schon seit seiner Erfindung eine besondere Faszination aus, die mit hohen Erwartungen und euphorischen Einschätzungen ihres wissenschaftlichen und künstlerischen Potentials einhergeht. Während die fotografischen Verfahren ihre Aufnahme als Mittel zur Erkenntnisgewinnung im experimentellen Bereich schnell durch ihren Detailreichtum, ihre zunehmende Schnelligkeit und ihren scheinbar selbsteinschreibenden Charakter behaupten können, wie etwa die prominenten Bewegungsstudien von Muybridge oder Marey belegen, ist ihre Aufnahme in den Kreis künstlerischer Ausdrucksmittel wesentlich strittiger.

Die Wurzel dieser Probleme findet sich im philosophischen Fundament jener Zeit, beispielsweise der Nachwirkung des ästhetischen Gedankenguts Hegels, aber auch spezieller in den Kunsttheorien des 19. Jahrhunderts, die das Arbeiten der fotografischen Maschine und die individuelle Subjektivität des Künstlers als antagonistische Prinzipien einander gegenüberstellen, was sich in Brennpunkten wie dem Münchener Fotografiestreit von 1864 oder den Theorien von P. H. Emerson niederschlägt.

Jedoch lassen sich bei näherer Betrachtung beträchtliche Wechselwirkungen insbesondere zwischen Fotografie und Malerei feststellen. Dies betrifft die Fotografie innerhalb der Kunst, z.B. als Korrektiv und Hilfsmittel, wie es in der Tradition der Camera obscura schon von Vermeer und Canaletto, dann von Malern wie von Lenbach oder Degas verwendet wird, aber auch den umgekehrten Weg, wie ihn später Fotorealisten wie Close oder Estes gehen.

Ebenso strebt die Fotografie selbst danach, Kunst zu werden. Im 19. Jahrhundert zunächst in den frühen, experimentellen Versuchen von Daguerre bis Nadar, dann durch die Bemühung, die Fotografie eng an eine malerische Ästhetik anzupassen, wie dies im Piktorialismus um die Jahrhuntertwende der Fall ist. Im Verlauf des 20. Jahrhunterts manifestiert sich dieses Streben in den vielfältigen Versuchen, eigene Formen der Ästhetik und der fotografischen Konzeption zu entwickeln, wobei jedoch auch diese trotz ihrer zunehmenden Autonomie nicht ohne die Einbettung in die Kunst ihrer Zeit gesehen werden können. Diese reichen von der Neuen Sachlichkeit und dem Neuen Sehen über die Schnittpunkte zum Surrealismus bei Man Ray oder List, die Hervorhebung des Momenthaften bei Brassaï oder Cartier-Bresson, den Voyeurismus eines Mapplethorp oder Araki, die Experimente mit Farbfotografie und Polaroid bei Eggleston oder Hockney, das Mixed-Media-Konzept und das Großbild bis hin zu den gegenläufigen Tendenzen der dokumentarisch arbeitenden Becherschule und der inszenierten Fotografie bei Sherman oder Wall sowie den Umwälzungen der Fotografie durch die Digitalisierung bei Cottingham oder Aziz und Cucher. Begleitet werden diese Entwicklungen durch Texte zur Fotografietheorie, die zentrale Fragen der jeweiligen Zeit behandeln und nicht selten von in der fotografischen Praxis Tätigen wie Strand, Renger-Patzsch, Man Ray oder Cartier-Bresson geschrieben sind.

 

Ziele:

Das Seminar soll anhand ausgewählter Künstler und Texte zur Fotografie- und Kunsttheorie einen Überblick über die Entwicklung der Fotografie im Kontext der Kunst von ihren Anfängen bis zur Gegenwart bieten.

 

 

Literatur (Auszug):

  • Wolfgang Kemp (Hrsg.), Texte zur Theorie der Fotografie I-III, München 1999

  • Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Texte zur Theorie der Fotografie IV, München 2000
  • Peter Geimer, Theorien der Fotografie, Hamburg 2009
  • Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Fotografie, München 2006
  • Boris von Brauchitsch, Kleine Geschichte der Fotografie, Stuttgart 2002
  • Wolfgang Kemp, Geschichte der Fotografie, Von Daguerre bis Gursky, München 2011

 

 


Sommersemester 2011


 

 

"Das dubitative Bild? - Fotografisches Bild und Bild der Fotografie im digitalen Zeitalter"

Do 12:00 Uhr, Geb. E, Raum 414

 

 

Infotext: 

 

„Im Reich des Digitalen sind alle Bilder der visuellen Alchemie des Zeichenprogramms unterworfen, das dem Benutzer eine Reihe von Werkzeugen anbietet, mit denen er jede Eigenschaft eines Pixels zu modifizieren vermag. Diese Verbindung der elektronischen Bildwelt mit den digitalen Zeichenprogrammen steht im Zentrum der Unterordnung des Fotos unter die Grafik. Wenn alle Bilder vom Computer erzeugt oder modifiziert werden, ist das Fotografische kein privilegierter Bereich der visuellen Kommunikation mehr, der durch seine apparativ erzeugten Qualitäten unterschieden wird." (Peter Lunenfeld)


Seit der Erfindung der Fotografie wurde diese von vielen als ein Mittel zur objektiven Konservierung einer Gegebenheit betrachtet. Bereits Talbot, der Pionier auf dem Gebiet des Negativverfahrens, beschreibt sie als „stumme Zeugenaussage“, die später als Beweis für die Existenz von etwas herangezogen werden kann, und selbst die modernen Fotografietheorien wie die von Barthes oder Sontag halten, wenn auch kritischer, an dem Verweischarakter der fotografischen Abbildung fest: „Eine Art Nabelschnur verbindet den Körper des photographierten Gegenstandes mit meinem Blick.“ (Roland Barthes)

Die digitale Fotografie, so die Meinung vieler Theoretiker der späten 80er- und frühen 90er-Jahre, ändere die Regeln dieses Spiels. Die Fotografie verliere ihren referenziellen Verweischarakter und sei fortan, schon durch die bloße Möglichkeit der beliebigen Manipulation, keine Fotografie im eigentlichen Sinne mehr. Als Modell der Referenz, so etwa Mitchell, stirbt sie durch den digitalen Prozess. Heute, beinahe 20 Jahre danach, ist die digitale Fotografie längst zur Regel geworden und stellt so manche apokalyptische Prophezeiung der frühen digitalen Fototheorien auf den Prüfstand.

Das Begriffpaar Analog/Digital verursacht in der Fotografie jedoch noch immer Fragen nach Opposition oder Kontinuum des Wechsels sowie der allgemeinen Beschaffenheit des neuen Mediums, das sich, wie auch die analoge Fotografie, einer einheitlichen Ontologie zu verweigern scheint.

In diesem Seminar werden anhand diverser Textauszüge verschiedener Theoretiker zentrale Aspekte der digitalen Fotografie, des digitalen Bildes und seines medialen Umfeldes behandelt.

 

Literatur:

 

  • Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Fotografie nach der Fotografie, München 1996
  • William J. Mitchell, The Reconfigured Eye, Visual Truth in the Post-Photographic Era, Cambridge 1992
  • Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Fotografie, München 2006
  • Herta Wolf, Paradigma Fotografie, Fotokritik am Ende des fotografischen Zeitalters, Frankfurt a.M. 2002

 

 


Wintersemester 2010/2011


 

 

"Der Mensch als Motiv - Die Personenfotografie des 20. Jahrhunderts im Wandel"

Do 12:00 Uhr, Geb. E, Raum 414

 

 

Infotext:

 

„Das photographische Portrait ist ein geschlossenes Kräftefeld. Vier imaginäre Größen überschneiden sich hier, stoßen aufeinander, verformen sich. Vor dem Objektiv bin ich zugleich der, für den ich mich halte, der, für den ich gehalten werden möchte, der, für den der Photograph mich hält, und der, dessen er sich bedient, um sein Können vorzuzeigen. In anderen Worten, ein bizarrer Vorgang." (Roland Barthes)


Der Mensch war bereits kurz nach der Erfindung der Fotografie ein wesentliches Motiv. Schon im 19. Jahrhundert machten Fotografen wie Nadar der Portraitmalerei in erheblichem Maße Konkurrenz und Dokumentationen wie die des amerikanischen Bürgerkriegs von Timothy O‘Sullivan begründeten den modernen Fotojournalismus.

Nachdem die anfänglichen Probleme der Personenfotografie beseitigt waren (etwa die zu langen Belichtungszeiten), etablierte sich die Fotografie schnell in den verschiedensten dokumentarischen und künstlerischen Funktionen sowie zwischen Abbild und Inszenierung. Dabei stellt gerade die Fotografie des Menschen denselben infrage. Möchte der Fotograf unparteiisch und unbemerkt sein und, was damit einhergeht, wird er dadurch zum Voyeur? Ist die Fotografie weniger authentisch, wenn der Fotograf ein aktiver Teil des Dargestellten ist? Wie beeinflusst die Präsenz eines Beobachters den Beobachteten?

Anhand ausgewählter Fotografen und Fotokünstler wird in diesem Seminar ein Überblick über die Anwendungsfelder und Probleme der personenbezogenen Fotografie gegeben, was die klassischen Bereiche der Portrait-, Mode- und Aktfotografie ebenso einschließt wie Reportage, soziale Fotografie und Milieustudien.

 

Literatur:


  • Klaus Honnef, Gabriele Honnef-Harling, Von Körpern und anderen Dingen, Deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert, Prag 2003
  • Rolf Sachsse, Fotografie, Vom technischen Bildmittel zur Krise der Repräsentation, Köln 2003
  • Rob Bowman (Hrsg.), Open City, Street Photographs since 1950, Oxford 2001
  • Hans-Michael Koetzle, Das Lexikon der Fotografen, 1900 bis heute, München 2002

 

 


Sommersemester 2010


 

 

"Texte zur Theorie der Fotografie"

Do 10:00 Uhr, Geb. E, Raum 113

 

 

Infotext:

 

„Nicht der Schrift-, sondern der Fotografie-Unkundige wird der Analphabet der Zukunft sein." (Lázló Moholy-Nagy)
Die Erfindung der Fotografie markiert einen Umbruch in vielen Bereichen und ermöglicht das, was zuvor unmöglich war: ein permanentes Lichtbild. Aufgrund dieser Besonderheit ist sie im Laufe ihrer Geschichte nicht nur eine Technik zur Herstellung neuartiger Bilder, sondern in besonderem Maße auch Gegenstand der Reflexion.
Die daraus resultierenden Theorien erstrecken sich dabei über die verschiedensten wissenschaftlichen Felder, wie etwa die Epistemologie, Semiotik, Medientheorie oder Kunsttheorie, weshalb es auch nicht wundert, dass es nicht vorwiegend die Fotografen sind, die sich des theoretischen Aspekts der Fotografie annehmen.
Von Beginn an zeichnen sich die Theorien der Fotografie durch eine besonders hohe Polarität aus, ob es nun beispielsweise die seit ihren Anfängen bestehende Bemühung der Fixierung „der" Fotografie in Begriffe betrifft, ihren Kunststatus, ihre besondere Fähigkeit zur realistischen Abbildung, ihre Codierung oder ihre soziale Praxis.
Die stetig andauernde, sich aber in den letzten Jahrzehnten häufig auf wenige kanonisierte Positionen beschränkende Entwicklung der Fototheorie erhält schließlich in der heutigen Zeit, angeregt durch Digitalisierung und mediale Vernetzung, erneuten Antrieb und schlägt neue Richtungen ein.
Das Seminar soll im interdisziplinären Kontext anhand ausgewählter Texte einen Überblick über zentrale Fragen und Positionen der Fotografietheorie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart bieten.

 

Literatur:

 

  • Wolfgang Kemp (Hrsg.), Theorie der Fotografie I-III, München 1979-1983
  • Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Theorie der Fotografie IV, München 2000
  • Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Photographie, München 2006
  • Peter Geimer, Theorien der Fotografie zur Einführung, Hamburg 2009