Lehrveranstaltungen Universität Koblenz
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Sommersemester 2011
"Das dubitative Bild? - Fotografisches Bild und Bild der Fotografie im digitalen Zeitalter"
Do 12:00 Uhr, Geb. E, Raum 414
Infotext:
„Im Reich des Digitalen sind alle Bilder der visuellen Alchemie des Zeichenprogramms unterworfen, das dem Benutzer eine Reihe von Werkzeugen anbietet, mit denen er jede Eigenschaft eines Pixels zu modifizieren vermag. Diese Verbindung der elektronischen Bildwelt mit den digitalen Zeichenprogrammen steht im Zentrum der Unterordnung des Fotos unter die Grafik. Wenn alle Bilder vom Computer erzeugt oder modifiziert werden, ist das Fotografische kein privilegierter Bereich der visuellen Kommunikation mehr, der durch seine apparativ erzeugten Qualitäten unterschieden wird." (Peter Lunenfeld)
Seit der Erfindung der Fotografie wurde diese von vielen als ein Mittel zur objektiven Konservierung einer Gegebenheit betrachtet. Bereits Talbot, der Pionier auf dem Gebiet des Negativverfahrens, beschreibt sie als „stumme Zeugenaussage“, die später als Beweis für die Existenz von etwas herangezogen werden kann, und selbst die modernen Fotografietheorien wie die von Barthes oder Sontag halten, wenn auch kritischer, an dem Verweischarakter der fotografischen Abbildung fest: „Eine Art Nabelschnur verbindet den Körper des photographierten Gegenstandes mit meinem Blick.“ (Roland Barthes)
Die digitale Fotografie, so die Meinung vieler Theoretiker der späten 80er- und frühen 90er-Jahre, ändere die Regeln dieses Spiels. Die Fotografie verliere ihren referenziellen Verweischarakter und sei fortan, schon durch die bloße Möglichkeit der beliebigen Manipulation, keine Fotografie im eigentlichen Sinne mehr. Als Modell der Referenz, so etwa Mitchell, stirbt sie durch den digitalen Prozess. Heute, beinahe 20 Jahre danach, ist die digitale Fotografie längst zur Regel geworden und stellt so manche apokalyptische Prophezeiung der frühen digitalen Fototheorien auf den Prüfstand.
Das Begriffpaar Analog/Digital verursacht in der Fotografie jedoch noch immer Fragen nach Opposition oder Kontinuum des Wechsels sowie der allgemeinen Beschaffenheit des neuen Mediums, das sich, wie auch die analoge Fotografie, einer einheitlichen Ontologie zu verweigern scheint.
In diesem Seminar werden anhand diverser Textauszüge verschiedener Theoretiker zentrale Aspekte der digitalen Fotografie, des digitalen Bildes und seines medialen Umfeldes behandelt.
Literatur:
- Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Fotografie nach der Fotografie, München 1996
- William J. Mitchell, The Reconfigured Eye, Visual Truth in the Post-Photographic Era, Cambridge 1992
- Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Fotografie, München 2006
- Herta Wolf, Paradigma Fotografie, Fotokritik am Ende des fotografischen Zeitalters, Frankfurt a.M. 2002
Wintersemester 2010/2011
"Der Mensch als Motiv - Die Personenfotografie des 20. Jahrhunderts im Wandel"
Do 12:00 Uhr, Geb. E, Raum 414
Infotext:
„Das photographische Portrait ist ein geschlossenes Kräftefeld. Vier imaginäre Größen überschneiden sich hier, stoßen aufeinander, verformen sich. Vor dem Objektiv bin ich zugleich der, für den ich mich halte, der, für den ich gehalten werden möchte, der, für den der Photograph mich hält, und der, dessen er sich bedient, um sein Können vorzuzeigen. In anderen Worten, ein bizarrer Vorgang." (Roland Barthes)
Der Mensch war bereits kurz nach der Erfindung der Fotografie ein wesentliches Motiv. Schon im 19. Jahrhundert machten Fotografen wie Nadar der Portraitmalerei in erheblichem Maße Konkurrenz und Dokumentationen wie die des amerikanischen Bürgerkriegs von Timothy O‘Sullivan begründeten den modernen Fotojournalismus.
Nachdem die anfänglichen Probleme der Personenfotografie beseitigt waren (etwa die zu langen Belichtungszeiten), etablierte sich die Fotografie schnell in den verschiedensten dokumentarischen und künstlerischen Funktionen sowie zwischen Abbild und Inszenierung. Dabei stellt gerade die Fotografie des Menschen denselben infrage. Möchte der Fotograf unparteiisch und unbemerkt sein und, was damit einhergeht, wird er dadurch zum Voyeur? Ist die Fotografie weniger authentisch, wenn der Fotograf ein aktiver Teil des Dargestellten ist? Wie beeinflusst die Präsenz eines Beobachters den Beobachteten?
Anhand ausgewählter Fotografen und Fotokünstler wird in diesem Seminar ein Überblick über die Anwendungsfelder und Probleme der personenbezogenen Fotografie gegeben, was die klassischen Bereiche der Portrait-, Mode- und Aktfotografie ebenso einschließt wie Reportage, soziale Fotografie und Milieustudien.
Literatur:
- Klaus Honnef, Gabriele Honnef-Harling, Von Körpern und anderen Dingen, Deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert, Prag 2003
- Rolf Sachsse, Fotografie, Vom technischen Bildmittel zur Krise der Repräsentation, Köln 2003
- Rob Bowman (Hrsg.), Open City, Street Photographs since 1950, Oxford 2001
- Hans-Michael Koetzle, Das Lexikon der Fotografen, 1900 bis heute, München 2002
Sommersemester 2010
"Texte zur Theorie der Fotografie"
Do 10:00 Uhr, Geb. E, Raum 113
Infotext:
„Nicht der Schrift-, sondern der Fotografie-Unkundige wird der Analphabet der Zukunft sein." (Lázló Moholy-Nagy)
Die Erfindung der Fotografie markiert einen Umbruch in vielen Bereichen und ermöglicht das, was zuvor unmöglich war: ein permanentes Lichtbild. Aufgrund dieser Besonderheit ist sie im Laufe ihrer
Geschichte nicht nur eine Technik zur Herstellung neuartiger Bilder, sondern in besonderem Maße auch Gegenstand der Reflexion.
Die daraus resultierenden Theorien erstrecken sich dabei über die verschiedensten wissenschaftlichen Felder, wie etwa die Epistemologie, Semiotik, Medientheorie oder Kunsttheorie, weshalb es auch
nicht wundert, dass es nicht vorwiegend die Fotografen sind, die sich des theoretischen Aspekts der Fotografie annehmen.
Von Beginn an zeichnen sich die Theorien der Fotografie durch eine besonders hohe Polarität aus, ob es nun beispielsweise die seit ihren Anfängen bestehende Bemühung der Fixierung „der"
Fotografie in Begriffe betrifft, ihren Kunststatus, ihre besondere Fähigkeit zur realistischen Abbildung, ihre Codierung oder ihre soziale Praxis.
Die stetig andauernde, sich aber in den letzten Jahrzehnten häufig auf wenige kanonisierte Positionen beschränkende Entwicklung der Fototheorie erhält schließlich in der heutigen Zeit, angeregt
durch Digitalisierung und mediale Vernetzung, erneuten Antrieb und schlägt neue Richtungen ein.
Das Seminar soll im interdisziplinären Kontext anhand ausgewählter Texte einen Überblick über zentrale Fragen und Positionen der Fotografietheorie von ihren Anfängen bis zur Gegenwart bieten.
Literatur:
- Wolfgang Kemp (Hrsg.), Theorie der Fotografie I-III, München 1979-1983
- Hubertus von Amelunxen (Hrsg.), Theorie der Fotografie IV, München 2000
- Bernd Stiegler, Theoriegeschichte der Photographie, München 2006
- Peter Geimer, Theorien der Fotografie zur Einführung, Hamburg 2009
